Editorial

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Per Velo durch südfranzösische Geschichte


Per Velo durch südfranzösische Geschichte


Carcassonne – Pays Cathare Pyrénées : Um ein Haar wäre diese Kulturreise der Pandemie zum Opfer gefallen. Doch Durchhaltewille und die terminliche Flexibilität der Teilnehmenden und Leitungspersonen sowie die Unterstützung der Schulleitung machten sie dann möglich.

 

Text Martin Berger

Fotos zvg/Teilnehmende

 

Der westliche Süden Frankreichs – eine historische Grenzzone mit vielen, bereichernden kulturellen und sprachlichen Überlappungen zwischen Katalonien, Spanien und Frankreich. Hier sahen sich Schüler:innen mit radikal anderen, ehemaligen Realitäten konfrontiert. Wir gingen auf kontrovers debattierten Spuren einer dissidenten Religionsgruppe im Mittelalter, die zur ersten Inquisitionswelle führte. Viele der verfolgten Katharer starben auf dem Scheiterhaufen.

 

Vor knapp einem Jahrhundert wurde die katalanisch-französische Grenzzone zum Fluchtgebiet von über einer halben Million Spanierinnen und Spaniern vor dem siegreichen spanischen Faschismus unter Francisco Franco. Unvorbereitete Behörden, Massenbewegung, klirrende Kälte ohne Unterkunft: Unsägliches Leid breitet sich an heute wunderbaren Sandstränden und Felsküsten aus. 


Mehr lesen…

 

In aller Eile werden diese Menschen in improvisierte, lottrige Lagerbaracken gepfercht. Rivesaltes wird Synonym für eine jahrzehntelange Abfolge diverser Lager, wo tausende Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen wie Gefangene festgehalten wurden: Flüchtlinge des spanischen Bürgerkriegs, internierte Deutsche zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma während des Vichy-Regimes und der deutschen Besatzung, deutsche Kriegsgefangene am Ende des Zweiten Weltkriegs, Algerierinnen und Algerier während des Unabhängigkeitskriegs, frankreichtreue Algerier, genannt «Harkis», ab 1962 bis in die 1970er, weitere Flüchtlinge bis in die 1980er-Jahre. 

 

Am Tag nach der Besichtigung der Gedenkstätte Rivesaltes, dem Musée Mémorial de Rivesaltes, architektonisch wie ein Sarg, der sich in die Erde senkt, gestaltet, fuhr die Gruppe per Velo zur Maternité d’Elne, einem besonderen Geburtshaus, das sehr rasch nach der «Retirada», der Fluchtwelle aus Spanien in den 1930er-Jahren, auf Privatinitiative geschaffen wurde: Elisabeth Eidenbenz, ausgebildete Krankenschwester in humanitärer Mission, die mit dem Schweizerischen Roten Kreuz zusammenarbeitete, erwirkte den raschen Aufbau dieser Auffangstation für werdende Mütter und ihre Säuglinge aus dem Lager. Immer wieder, auch während unseres Besuchs, besichtigen damals dort gerettete Spanierinnen und Spanier, Familienangehörige und ihre Nachkommen die Maternité. Bewegend! 

 

Die Institution bildete auch den Endpunkt der zweieinhalbtägigen Velotour durch teilweise abgelegene, wunderschöne Landschaften der Pyrénées Orientales, die Vorgebirge der Pyrenäen. Die Gruppe bewies Topform und genoss es! «Cerise sur le gâteau»: Collioure. Hier, im malerischen Städtchen nahe der spanischen Grenze, genossen die Teilnehmenden viel Freizeit und gemütliche Geselligkeit beim gemeinsamen Abendessen.

 

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Per Velo durch südfranzösische Geschichte


Carcassonne – Pays Cathare Pyrénées : Um ein Haar wäre diese Kulturreise der Pandemie zum Opfer gefallen. Doch Durchhaltewille und die terminliche Flexibilität der Teilnehmenden und Leitungspersonen sowie die Unterstützung der Schulleitung machten sie dann möglich.

 

Text Martin Berger

Fotos zvg/Teilnehmende

 

Der westliche Süden Frankreichs – eine historische Grenzzone mit vielen, bereichernden kulturellen und sprachlichen Überlappungen zwischen Katalonien, Spanien und Frankreich. Hier sahen sich Schüler:innen mit radikal anderen, ehemaligen Realitäten konfrontiert. Wir gingen auf kontrovers debattierten Spuren einer dissidenten Religionsgruppe im Mittelalter, die zur ersten Inquisitionswelle führte. Viele der verfolgten Katharer starben auf dem Scheiterhaufen.

 

Vor knapp einem Jahrhundert wurde die katalanisch-französische Grenzzone zum Fluchtgebiet von über einer halben Million Spanierinnen und Spaniern vor dem siegreichen spanischen Faschismus unter Francisco Franco. Unvorbereitete Behörden, Massenbewegung, klirrende Kälte ohne Unterkunft: Unsägliches Leid breitet sich an heute wunderbaren Sandstränden und Felsküsten aus. 


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In aller Eile werden diese Menschen in improvisierte, lottrige Lagerbaracken gepfercht. Rivesaltes wird Synonym für eine jahrzehntelange Abfolge diverser Lager, wo tausende Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen wie Gefangene festgehalten wurden: Flüchtlinge des spanischen Bürgerkriegs, internierte Deutsche zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma während des Vichy-Regimes und der deutschen Besatzung, deutsche Kriegsgefangene am Ende des Zweiten Weltkriegs, Algerierinnen und Algerier während des Unabhängigkeitskriegs, frankreichtreue Algerier, genannt «Harkis», ab 1962 bis in die 1970er, weitere Flüchtlinge bis in die 1980er-Jahre. 

 

Am Tag nach der Besichtigung der Gedenkstätte Rivesaltes, dem Musée Mémorial de Rivesaltes, architektonisch wie ein Sarg, der sich in die Erde senkt, gestaltet, fuhr die Gruppe per Velo zur Maternité d’Elne, einem besonderen Geburtshaus, das sehr rasch nach der «Retirada», der Fluchtwelle aus Spanien in den 1930er-Jahren, auf Privatinitiative geschaffen wurde: Elisabeth Eidenbenz, ausgebildete Krankenschwester in humanitärer Mission, die mit dem Schweizerischen Roten Kreuz zusammenarbeitete, erwirkte den raschen Aufbau dieser Auffangstation für werdende Mütter und ihre Säuglinge aus dem Lager. Immer wieder, auch während unseres Besuchs, besichtigen damals dort gerettete Spanierinnen und Spanier, Familienangehörige und ihre Nachkommen die Maternité. Bewegend! 

 

Die Institution bildete auch den Endpunkt der zweieinhalbtägigen Velotour durch teilweise abgelegene, wunderschöne Landschaften der Pyrénées Orientales, die Vorgebirge der Pyrenäen. Die Gruppe bewies Topform und genoss es! «Cerise sur le gâteau»: Collioure. Hier, im malerischen Städtchen nahe der spanischen Grenze, genossen die Teilnehmenden viel Freizeit und gemütliche Geselligkeit beim gemeinsamen Abendessen.

 

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