Thun Begeistertes Publikum, Erleichterung bei den Aufführenden des Gymnasiums und der FMS Thun: Die Uraufführung des Werkes «Schein und Sein» war ein grosser Erfolg.
Text Margrit Kunz, Thuner Tagblatt
Fotos Samuel Rauber
Video Hans-Peter Gilgen
In der vollbesetzen Alten Turnhalle des Seefeldareals warteten die Zuhörenden am Mittwoch Abend gespannt auf die Uraufführung der Auftragskomposition «Schein und Sein», komponiert von Niklaus Vogel nach einem Text von Bettina Gugger. Das Libretto beschäftigt sich mit den existenziellen Fragen des Menschseins. Es handelt vom Emeriten Petula, der auf seiner Wanderung einer Agentin des Nichts, einer Hungerkünstlerin, einem Magier und einem Hund begegnet.
Der Text ist oft kritisch, auch bissig, um dann wieder nachdenklich und versöhnlich Rat oder Hilfe zu bieten. So erinnert sich der Eremit an einer Stelle: «Gerne lasse ich mich von tiefen Worten berühren, verzaubern von Melodien, die anders klingen. Deswegen sind wir hier, um zu erschaffen und zu gestalten, um uns selbst zu überwinden, denn niemand und nichts behindert mehr unsere Schaffenskraft als unser kleiner Wille, der stets siegen und glänzen will.»
Der Text als Ganzes kann junge Menschen ermutigen, nicht immer zu tun, was von ihnen verlangt wird, sondern kritisch zu beobachten und Sachen auszuprobieren, die ihnen wichtig erscheinen. Gleichzeitig ist der Text allgemeingültig, und jeder und jede wird zum Nachdenken animiert und angeregt, das eigene Leben zu überdenken.
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Text eindringlich umgesetzt
Niklaus Vogel gelang es eindrücklich, diesen Text in Musik umzusetzen. Er setzte verschiedene Stilmittel ein, die zusammengenommen die Texte eindringlich werden liessen. Helljauchzend für die Freude, eher tragend für die nachdenklichen Teile, zurückhaltend, damit der Text verstanden wurde, und laut und eindringlich zum Verstärken der Aussagen. Seine Musik bewegte sich zwischen Klassik und Moderne, erinnerte an bekannte Werke, um sofort wieder eine andere Richtung einzuschlagen. Er erreicht damit klangliche Schönheit, die berührt.
«Für uns war es ein schwieriges Stück. Die Stimmlagen waren oft sehr nahe beieinander, man musste den Ton halten können», sagte eine Sängerin. Ein Sänger fügte an, dass zum Glück genügend Zeit zum Proben gewesen sei.
Und was sagte Bettina Gugger dazu? «Es ist der Wahnsinn, wie es nun herausgekommen ist.» Sie hat das Werk zum ersten Mal gehört und ist beeindruckt. Sie sei 2017 oder 2018 angefragt worden, ob sie sich vorstellen könne, einen Text für ein Chor- und Orchesterprojekt des Gymnasiums Thun zu schreiben. Der Text wurde 2019 fertig, worauf Niklaus Vogel die Musik dazu komponierte. Bettina Gugger und Niklaus Vogel, beide Jahrgang 1983, sind zwei Absolventen des Gymnasiums Thun Seefeld.
Auch Orchester überzeugte
Eröffnet wurde das Konzert des Gymnasiums Thun und der Fachmittelschule mit einem Chorwerk von Wilhelm Peterson-Berger. «Stemning» ist ein «Acappella»-Werk, das die Qualitäten des 40-köpfigen Chors gut zur Geltung brachte. Anschliessend folgten zwei Werke von Morton Lauridsen, «Direton» und «Sure On This Shining Night». Der Chorwurde von Hans-Peter Gilgen am Klavier begleitet.
Das gut besetzte 30-köpfigeOrchester glänzte anschliessend mit Filmmusik von John Williams. Zuerst mit «The Magic of Harry Potter». Der erste Teil des Programms schloss mit «Theme from Schindler’s List», ein Werk für Streichorchester und zwei Solo-Bratschen. Dirigiert wurden die Werke von Christa Gerber, Matthias Gerber und Anja Christina Loosli, die auch die Rolle der Sprecherin und Solistin in «Schein und Sein» innehatte.
Dieser Artikel erschien am 20. Mai 2022 im Thuner Tagblatt. Die Publikation erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.
















































