Text Marius Gränicher, Rektor
Bild Samuel Rauber
Liebe Leser:innen
Liebe Freund:innen des Gymnasiums Thun
Braucht ein Gymnasium eine Strategie? Dieser Frage hat sich die Schulleitung anlässlich einer Klausur im Februar 2022 gewidmet. Wie frei ist eine Mittelschule bei der Definition und Entwicklung eigener Ziele überhaupt? Eine Mittelschule bietet Bildung an und soll die Schüler:innen zu einem erfolgreichen Abschluss, zum Beispiel einer Maturität oder einem Fachmittelschulausweis respektive einer Fachmaturität, führen. Tatsächlich schreibt die Bildungs- und Kulturdirektion (BKD) in der Leistungsvereinbarung für jedes Gymnasium das Grundangebot vor. Auch steuert sie mit definierten Vorgaben – quasi «top down» – die Tätigkeit der Gymnasien und Fachmittelschulen. Natürlich darf eine Schule im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets mehr als das von der BKD vorgegebene Minimalangebot offerieren. Im Falle des Gymnasiums Thun darf man festhalten, dass keine andere Mittelschule im Kanton ein solch breites Angebot an Schwerpunkt-, Ergänzungs- und Wahlfächern anbietet. Dazu kommen vielfältige Fakultativangebote, zum Beispiel im MINT-, Kultur- oder Sportbereich. An der Fachmittelschule kann man in drei Berufsfeldern eine Fachmaturität absolvieren. Ist das Anbieten und Aufrechterhalten eines besonders breiten Bildungsangebotes bereits eine Strategie? Als solche bezeichnet man in der Fachliteratur – stark vereinfacht – einen genauen Plan für diejenigen Handlungen, mit denen man ein Ziel verwirklichen will. Es ist also eher das «Wie» als das «Was», über das die Schulleitung zusammen mit den Lehrpersonen die Hoheit hat. Damit besitzt eine Schule auch innerhalb der vom Gesetzgeber definierten Rahmenbedingungen durchaus die Freiheit, ein eigenes Profil zu entwickeln.
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Worin besteht also das Profil des Gymnasiums Thun und der Fachmittelschule? «In God we trust – all others must bring data», meinte einmal William Edwards Deming, ein amerikanischer Pionier in Fragen des Qualitätsmanagements. Tatsächlich helfen uns die Daten von Umfragen bei aktuellen und ehemaligen Schüler:innen, wenn wir wissen möchten, weshalb sie das Gymnasium oder die Fachmittelschule Thun als Ausbildungsort gewählt haben und ob sie auch nachträglich mit der Wahl noch zufrieden sind. Das breite Angebot wird dabei oft als besonders positives Merkmal erwähnt. Dazu gehören gerade auch Erlebnisse, die im Rahmen von Spezialunterricht, Projekt- und Sonderwochen oder in Praktika gemacht wurden. Auch von den Lehrpersonen wissen wir, was sie bei der Arbeit an unserer Schule besonders schätzen. Dazu gehört beispielsweise das grundsätzliche Vertrauen und die Unterstützung der Schulleitung und ein beträchtliches Mass an Freiheit bei der Umsetzung von pädagogischen Projekten und Innovationen. Die damit einhergehende Motivation und Selbstwirksamkeit führt nicht nur immer wieder zu tollen und spannenden Schul- und Unterrichtsprojekten, sondern überträgt sich auch auf die Motivation und Zufriedenheit der Schüler:innen.
Eine lernförderliche Schulkultur als Teil der Strategie
«Mir ist ein wertschätzendes Schulklima und eine gewisse Freiheit bei meiner Arbeit wichtiger als eine blutleere Strategie der Schulleitung.» So der Standpunkt einer Lehrperson bei der Diskussion um die Relevanz von Schulentwicklungszielen. Eine Schülerin formulierte es in einer Rückmeldung an die Schulleitung anlässlich der Zwischenbefragung in der Hälfte der Ausbildung so: «Was ich an der Schule schätze, ist das lernförderliche Klima. Dazu gehört, dass man merkt, dass die Lehrpersonen Freude am Vermitteln ihres Faches haben und dass es ihnen ein Anliegen ist, dass die Schüler:innen Interesse an ihrem Fach haben und Fortschritte machen.» Dass gegenseitige Wertschätzung – ganz allgemein eine positive Beziehung – viel zum Gelingen pädagogischer Arbeit beiträgt, ist hinlänglich bekannt.
Wir glauben, dass es eine Kombination aus vielfältigen, innovativen Bildungsangeboten, einer lernförderlichen, wertschätzenden Schulkultur und der damit verbundenen Motivation von Lehrpersonen und Schüler:innen ist, die dazu führt, dass sich jedes Jahr mehr junge Menschen für die Ausbildungen an unserer Schule anmelden – und das auch im Nachhinein tun würden.
Das neue JahrAus als Spiegel der Schulkultur
Im neuen JahrAus, welches einige Ereignisse des Schuljahres 2021/22 dokumentiert, ist nicht nur die Vielfalt an Schul- und Unterrichtsprojekten augenfällig. Auch die erwähnte Schulkultur ist zwischen den Zeilen und in filmischen Beiträgen spürbar. Lassen Sie sich durch die unterschiedlichsten Beiträge von Lehrpersonen und Schüler:innen davon überzeugen. Tauchen Sie ein in musische und literarische Welten. Erfahren Sie mehr, weshalb das Gymnasium Thun seit nunmehr 15 Jahren eine UNESCO-assoziierte Schule ist und wie die vielfältigen Anlässe und Projekte der entsprechenden Arbeitsgruppe den Charakter der ganzen Schule mitprägen oder begeben Sie sich auf eine Reise nach Stuttgart, Paris, Belgien oder China.
Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen dabei.
















































