Seit mehr 15 Jahren ist das Gymnasium Thun eine UNESCO-assoziierte Schule. Was bedeutet das?
Text Niklaus Schefer, Mirjam Stähli
Fotos Mirjam Stähli
Über aktuelle politische und gesellschaftliche Themen diskutieren und debattieren, sich in der Klimagruppe für nachhaltige Menüs in der Mensa oder Energiesparen (Aktion Licht abschalten) einsetzen, ein Kleidertauschprojekt auf die Beine stellen, für die Ukraine Spenden sammeln oder sich für ein ökologisches Neubauprojekt einsetzen – für solche Projekte und Aktivitäten gibt es seit 15 Jahren eine Arbeitsgruppe an unserer Schule.
Aussergewöhnlich an ist, dass sie in den meisten Sitzungen ein ganzes Klassenzimmer füllt und rund zwei Drittel der Teilnehmenden engagierte Schüler:innen sind. 15 Jahre UNESCO-assoziierte Schule sind ein guter Anlass, um genauer vorzustellen, was hinter diesem Prädikat steckt. Das Netzwerk dieser Schulen besteht seit 1953. Es umfasst mittlerweile mehr als 11000 Schulen in 182 Ländern, 44 davon aus der Schweiz. Die Schulen bemühen sich, die Ziele der UNESCO – Einsatz für Frieden, internationale Verständigung, Einhaltung der Menschenrechte, Zugang zum Wissen für alle und nachhaltige Entwicklung – zu verwirklichen.
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Verschiedene Stellen der Lehrpläne und der Mittelschulverordnungen können manchmal den Eindruck erwecken, dass der Mittelschulabschluss eine gute Basisausbildung für ein anschliessendes Fachstudium ist und es vorwiegend um die Vermittlung und kognitive Aneignung von Fachwissen geht. Damit soll es der Schweiz gelingen, im internationalen technisch-wirtschaftlichen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Die allgemeinen, breit gefassten Bildungsziele, wie sie im Artikel 5 des Maturitätsanerkennungsreglements (MAR) prägnant festgehalten sind, drohen in der Struktur des regulären Stundenplans, des Prüfungsdrucks und der Promotionsordnung beinah unterzugehen. Das Label «UNESCO-assoziierte Schule» kann uns aber daran erinnern, auf diese allgemeinen Ziele, die sich nahtlos mit den UNESCO-Zielen verbinden lassen, Wert zu legen und zu versuchen, sie im Schulalltag umzusetzen.
Einerseits stehen da Projekte im Vordergrund, in denen sich zahlreiche Jugendliche und Lehrpersonen der Arbeitsgruppe engagieren und die aus dem gewöhnlichen Schulbetrieb ein aktives Schulleben machen, das wertvolle Erfahrungen und Begegnungen ermöglicht: das Projekt «Zwei Mal Weihnachten», das Freifach «Spielstunde mit geflüchteten Kindern». Und Schüler:innen, die mehrfach solches Engagement zeigen, erhalten am Schluss ihrer Ausbildung eine UNESCO-Auszeichnung.
Andererseits gehören einzelne, zum Teil wiederkehrende Anlässe im Schuljahr dazu, die für einen ganzen Jahrgang obligatorisch oder im Areal für alle sichtbar sind, wie der Landschaftspflegetag, der Nachhaltigkeitstag mit vielfältigen Workshops, die UNESCO-Projektwoche «Gesellschaft, Umwelt & Ethik» oder Ausstellungen zu «Global Happiness» (2020) oder zur Aktion «Ferien – aber in der Schweiz!» (2021). So sind die UNESCO-Ideen mehr als das, was die Arbeitsgruppe daraus macht, sie prägen den Charakter der ganzen Schule mit.
Wie kam es dazu? Verschiedene Kulturaustauschprojekte liessen die Idee, dem Netzwerk beizutreten, wachsen. Seit 2003 nahm eine Delegation unserer Schule an den UNESCO-Jahrestreffen teil. Um die Auszeichnung zu erlangen, mussten einige Projekte gemäss den Zielsetzungen belegt werden können. Nach diesen Vorbereitungen fand am 19. Dezember 2007 eine kleine Feier zur Übergabe der Anerkennungsurkunde als UNESCO-assoziierte Schule statt. Darauf entstanden interdisziplinäre Klassenprojekte zum Thema Rassismus und Multikulturalität oder verschiedene MyClimate-Unterrichtsprojekte (2010 bis 2013). Ein UNESCO-Team etablierte sich, geleitet durch unsere ehemalige Kollegin Carmen Bezençon. Neben die regelmässig stattfindende Ethikwoche gesellten sich einzelne Sonderanlässe: 2015 ein Tag zum Thema Migration und Identität, 2016 ein Anti-Foodwaste-Tag. Im Rahmen der Fusion stimmten wir 2016 darüber ab, ob die gesamte Schule das Prädikat übernehmen soll. Eine starke Mehrheit war dafür. Und so sind mit der Zeit all die oben genannten Projekte und Initiativen entstanden, die unsere Schulkultur mitbestimmen.
An den jährlichen Treffen, zu dem alle UNESCO-assoziierten Schulen der Schweiz eingeladen sind, gibt es neben Impulsreferaten zur UNESCO-Agenda 2030 oder Weiterbildungen eine Plattform, auf der alle Schulen ihre aktuellen UNESCO-Projekte vorstellen können. Am Treffen im Jahr 2017 beispielsweise stellte die Kantonsschule Zürcher Oberland ihr Projekt «Deutsch für Geflüchtete» vor. Es dauerte nicht lange, bis wir als Schule im Herbst 2018 auch ein solches UNESCO-Freifach anbieten konnten.
Die Bedeutung der UNESCO-Ziele wird in der nahen und ferneren Zukunft bestimmt nicht abnehmen. Mit engagierten Schüler:innen und Lehrpersonen können wir den Weg, den wir in den vergangenen 15 Jahren gegangen sind, fortsetzen und dadurch das Schulleben mit wertvollen Impulsen und Aktivitäten bereichern. In diesem Sinne ist das UNESCO-Prädikat mehr als nur eine Etikette, sondern eine unter mehreren Perlen, die unsere Schule auszeichnen.
















































